Inside Sardinien

Feuerwerk auf Sardinien

Richtig heiß her geht es auf Sardinien an Silvester. Denn da feiert das ganze Dorf und jeder mit jedem.

Todsünde ist es, den Jahreswechsel zu verschlafen; denn wer Silvester verschläft, den bestraft nach einer alten Volksweisheit das Leben.

Es heißt nämlich: Wer an Silvester schläft, verpennt auch das gesamte kommende Jahr! (Chi
Sonnenuntergang am Strand auf Sardinien dorme a capodanno, dorme tutto l’anno!) Dieses schöne Sprichwort hat bei den abergläubischen Sarden Gewicht, und so findet man Hinz und Kunz auf den Beinen, denn zum Beweis des Nichtschlafens muss man sehen, gehen und gesehen werden!

Natürlich spielt auch an Silvester das Festtagsmenü eine tragende Rolle. Anders als zu Weihnachten wird jetzt gemeinsam gefeiert. Die Restaurants in Budoni sind schon seit Monaten ausgebucht und lassen eine Kalorienbombe nach der anderen platzen. Und, als wäre das nicht schon genug, gibt es um Mitternacht noch gefüllte Pfötchen mit Linsen.

Zampone Auch das beruht auf alter Tradition, denn die Linsen symbolisieren Münzen. Je mehr man davon isst, desto mehr Geld bekommt man im Neuen Jahr.

Nun ist das Linsen-Essen im Anschluss an ein opulentes sardisches Feiertagsmenü eine echte Herausforderung. Allerdings darf einem das Reichwerden ja auch nicht zu leicht gemacht werden.

Mein Alternativ-Vorschlag, man solle doch Salatblätter zum Symbol für 500-Euro-Scheine machen, traf darum auf ganz taube Ohren. Auch das unschlagbare Argument, dass Salat viel gesünder sei und ein Scheine-Symbol zu noch größerem Reichtum führe, verfing nicht: „Traditionen respektiert man, ohne daran opportunistisch herumzudoktern.“ Ich solle doch, bitteschön, kein Spielverderber sein, und reich werden wolle ich ja wohl auch.

Das stimmte. Trotzdem habe ich mir am Day After angesichts hinterhältiger Linsen geschworen, nie wieder, um keinen Preis der Welt, Reichtum auf Magen und Darm schlagen zu lassen.

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Start ins Neue Jahr!

Mit einem sardischen “Adiosu” verabschiedet sich für heute

Joachim Waßmann

 

 

5 Kommentare zu “Silvester – Schlafloses Sardinien!
  1. Elmar-Elfried Kunisch am sagte:

    Ja, der Schnee wird in diesem Jahr zu Weihnachten fehlen. Da in Hannover schon nach den ersten Schneeflocken „gesalzt“ wird, werden wir auch keinen Matsch bekommen.
    Aber Weihnachten mit den Enkelkindern mit stimmungsvoller Musik im Hintergrund und Hirschbraten auf dem Teller kann auch in Norddeutschland schön sein.
    Natürlich wäre es schon interessant, das sardische Leben um diese Zeit aktiv mitzubekommen. Nicht umsonst heißt es :“ Andere Länder, andere Sitten“.
    Der blaue Sternenhimmel auf Sardinien läßt einen die Geburt Jesu sicher deutlich näher erscheinen und eventuell auch etwas melancholisch werden.

  2. Elmar Kunisch am sagte:

    Ich esse gerne Linsensuppe aus der Dose für 89 cent. Leider nicht nach einem opulenten Mahl, sondern anstelle. Reich bin ich aber noch nicht geworden.
    Aber das kann sich ja im Jahr 2015 noch ändern.
    Wenn man jeden Tag Linsensuppe für 89 cent anstelle eines Mittagsmahls für 5,50 €
    ißt, spart man im Jahr 1682,65 €. In ca. 100 Jahren gehört man dann zu den Reichen.

    • Tja, lieber Elmar,

      wenn Du trotz dieser schlüssigen Berechnung nicht reich geworden bist, scheint an Deiner Rechnung irgendetwas nicht zu stimmen. Vielleicht solltest Du nächstes Jahr mit mir nach Sardinien fahren …

  3. Jörg Reinhardt am sagte:

    Eine sehr erhellende Darstellung, mir noch total unbekannt. Wir hoffen ja auch, bald wieder auf die Insel zu kommen. Wenn nicht bloß immer diese Zeitschwierigkeiten wären, denn unter zwei Wochen wollen wir nicht fahren. Aber Sardinien begleitet mich ja immer, denn einige der Texte, die ich über die Insel geschrieben habe, sind aus meinen Lesungen nicht mehr wegzudenken.

    • Ich habe, lieber Jörg,

      ein wenig recherchiert. Ich werde, Dich, Dein Ferienhaus und den ihm gewidmeten Text in Kürze vorstellen.

      Ich freue mich, dass Dir mein Blog gefällt und Du mich das wissen lässt. Ich wünsche mir, dass viele Deinem Beispiel folgen und mir Kommentare schreiben.

      Wem das zu zeitraubend ist: Lasst mir wenigstens mit einem „Like“ auf Facebook Zustimmung zuteil werden. Bitte!

Frage oder Kommentar schreiben

E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *