Inside Sardinien

Kennt nicht jeder das Geräusch, wenn der Korken aus der Flasche ploppt? Oder Kork als Untersetzer, Fußboden und Pinnwand? Aber haben wir uns schon mal gefragt, wo der Korken eigentlich her kommt? Zum Beispiel von der schönen Insel Sardinien. Dort wachsen viele Korkeichen und es gibt ganze Wälder der mystisch schönen Bäume…

Die Korkeiche (Quercus Suber) wächst vorwiegend in Portugal, Italien, Spanien und Teilen Algeriens und ist ein immergrüner Laubbaum. Die Rinde der Korkeiche liefert den Rohstoff Kork.

Sie braucht viel Sonne um hochwertigen Kork zu produzieren, weshalb sie in südlichen Ländern zuhause ist. Bei uns in Deutschland wäre es zu kalt, da der Baum nicht winterhart ist. Die Korkeichen haben eine Lebenserwartung von 150-200 Jahren, wenn sie beerntet werden. Ansonsten können sie bis zu 400 Jahre alt werden.

Nach ungefähr 20 – 25 Jahren werden die Eichen in den Sommermonaten erstmals geschält. Diese erste Schälung nennt man Jungfernrinde. Die Rinde ist noch stark zerklüftet und für die Korkenproduktion nicht geeignet. Sie dient fast ausschließlich der Granulatproduktion. Die nachfolgenden Schälungen sind dann geschlossener und somit hochwertiger. Dann können sie für die Korkenproduktion verwendet werden. Bei der Schälung darf die Mutterschicht nicht beschädigt werden, da diese den Baum vor dem Austrocknen und vor Infektionen schützt. Zudem wächst unter ihr die neue Rinde.

Ein Baum darf nur zu 1/3 geschält werden, um ihn vor dem Austrocknen zu bewahren. Nach 9 bis 11 Jahren kann die Korkeiche erneut geschält werden. Ein langer Zeitraum, der staatlich überwacht wird. Nach 9-15 Ernten ist die Korkeiche dann verbraucht. Ein Baum kann pro Ernte ca 45 kg Kork produzieren. Etwa 70 – 80 Prozent der italienischen Korkproduktion stammt aus sardischen Wäldern.

Nach der Ernte wird die Korkrinde 6 Monate zum Trocknen und Stabilisieren gelagert. Vor der Fertigung von Korken wird die Rinde in Wasser gekocht. Insekten werden hierbei abgetötet, enthaltenes Tannin (Gerbstoff) wird entzogen und das Material wird hierdurch weich und elastisch. Danach reift der Kork noch ca. 6 Wochen in Dunkelheit und bei einer bestimmten Luftfeuchtigkeit.

Aus den Korkplatten werden Flaschenkorken ausgebohrt. Hierbei bleiben die ausgebohrten Rohlinge übrig. Diese bilden das Grundmaterial für Presskorkblöcke und Bodenbeläge aus Kork.

Neben der Ernte der Korkrinden werden die Wälder auch als Waldweide für Rinder, Schafe und Schweine genutzt.

    

Unterschiedliche Verwendung von Kork

Das schwimmfähige und isolierende Material ist seit Jahrhunderten ein geschätzter Rohstoff: Die Ägypter sollen Gräber und Särge damit ausgestattet haben, um die sterblichen Überreste noch besser zu konservieren. Die Römer verschlossen damit ihre Weinbehälter, was bis heute ein bekanntes Verfahren ist. Die Sarden selbst nutzen es als Behälter und Unterlagen für Speisen oder zur Isolierung von Mauern und Dächern.

Und so war es dann auch im Jahre 1680, dass sich der Benediktiner Pierre Pérignon diese Fähigkeiten der Rinde zu Nutze machte und den ersten Korken für eine Schaumweinflasche herstellte. Bereits im 18. Jh. wurden die Champagnerflaschen vorrangig mit seinen Korken verschlossen.

Als dann aber die Weinproduktion mehr und mehr an Bedeutung erlangte, nahm auch die Korkenherstellung einen gewaltigen Aufschwung.

Die Verarbeitung von Kork für Souvenirs hat in den letzten vier Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Neben den touristischen Ausfertigungen, wie Postkarten mit bunten Sardinien-Aufdrucken oder mit Kork ummantelte Sardinien-Tassen, sind aber auch kunstvollere Gegenstände zu sehen von der traditionellen sardischen Maske über Vasen bis zum Schmuckkästchen. Auch Kleidung wird mittlerweile aus Kork hergestellt und sie soll sich angenehm tragen lassen. Kork ist perfekt für die Mode & Accessoires: weich, edel, modern, abwaschbar, absolut robust und ganz natürlich.

Wer ein paar Tipps für schöne Ausflugsziele zu den sardischen Korkeichenwäldern haben möchte, kann mir natürlich gern dazu einen Kommentar senden.

Mit einem sardischen “Adiosu” verabschiedet sich für heute

Joachim Waßmann

 

 

 

3 Kommentare zu “Kork – Ein nachwachsender Rohstoff
  1. Birte Hagenau am sagte:

    Vielen Dank für die Info! Dann werden wir bei unserem Sardinienurlaub nächstes Frühjahr Calangianus und Umgebung erwandern. Wir sind schon sehr gespannt!

  2. Birte Hagenau am sagte:

    Seit einem Urlaub in Portugal lieben mein Mann und ich die knorrigen Korkeichen. Wo gibt es denn in Sardinien die größten Korkeichenvorkommen? Haben Sie Tipps für Wanderungen, und kann man vielleicht auch einen korkverarbeitenden Betrieb besichtigen?

    • Allerdings behaupten die Sarden von sich, die größten Korkplantagen zu besitzen. Ich habe das nicht verifiziert, habe aber nie Gegenteiliges gehört. Das Zentrum der KOrkeichenindustrie befindet sich in Calangianus in der Gallura, also Nordsardinien. Da gibt es ausgedehnte Wälder, aber auch zahlreiche Verarbeitungsbetriebe.

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