Wenn ich die vielen AusländerHochzeiten zähle, die wir* bisher in Budoni organisiert haben, müsste man Sardinien eigentlich als „Heiratsparadies“ wie Gretna Green in Schottland und Las Vegas in den USA bezeichnen. Dabei geht das Heiraten in Budoni genau so schnell, und einen anderen Vorteil hat es auch.

Wer in Budoni den Bund fürs´ Leben schließt, macht das im Einklang mit unseren Gesetzen. Anders als in Schottland oder den USA ist es nicht möglich, aus einer Sektlaune heraus ins Standesamt zu gehen, einen Obolus zu entrichten und als Mann & Frau, Frau & Frau oder Mannomann wieder herauszukommen.

Aber alles der Reihe nach! Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden, und zum Heiraten gibt es mehr zu sagen, als sich auf einer Blogseite abhandeln lässt. Daher hier zunächst etwas zur sardischen Hochzeit.

Anfang diesen Monats, also im September 2014, hat es die letzte „deutsche“ Hochzeit in unseren* Häusern gegeben. Wenn man so will, war das eine Superlativ-Hochzeit; denn daran haben 50 Personen teilgenommen! Normalerweise melden sich bei uns Brautpaare, die im kleinen Kreis feiern wollen, und darum haben wir richtig gestaunt, als Herr H. eine Gesellschaft ankündigte, die man für deutschen Maßstab als „groß“ bezeichnen muss. Er hatte sein standesamtliches Eheversprechen schon in Deutschland abgelegt und war mit der Hochzeitsgesellschaft nach Sardinien gereist, um dort den vielleicht wichtigsten und schönsten Tag würdig zu begehen. Das hat er denn auch fürwahr getan. Vom Pferd im Meer bis zu Brautleuten in voller Montur im Pool: Die Jungvermählten haben es richtig krachen lassen, und der mitgereiste Fotograf hat alles dokumentiert!  Eine gelungene Feier, bei der auch Kulinarik und Romantik nicht zu kurz gekommen sind.

Beneidenswert, wem eine solche Feier vergönnt ist!

In Sardinien gelten, was die Teilnehmerzahl anbetrifft, andere Maßstäbe als bei uns. Multiplizieren wir obige 50-Personen-Feier mit dem Faktor 10, kommen wir zu einer „mittleren“ sardischen Feier. Was darunter ist, tendiert gegen klein, und erst oberhalb der 800-er Marke darf man von „groß“ sprechen. „Um Gottes Willen“, wird mancher Schwabe jetzt erschrecken, „die ruinieren sich mit einer solchen Feier wohl für viele Jahre! Was mag eine solche Monsterhochzeit kosten?“

Ich muss gestehen, dass ich als waschechter Preuße genauso gedacht habe, bis ich zum ersten Mal zu einer sardischen Hochzeit eingeladen wurde. Dass dazu ein Geschenk gehört, war mir natürlich klar, aber was für eines? Vorsichtiges Nachfragen bei meinen Freunden, was denn so ein passendes Geschenk für die mir ganz eng befreundeten Brautleute sein könne, zerstreute meine Befürchtung, die Frischvermählten würden sich meinetwegen mittelfristig verschulden müssen.

„Du als bester Freund des Bräutigams drückst deine Freundschaft am besten mit einer „Bustina“* aus.“ Aha, wurde mir klar, es geht hier also nicht um Hausrat, sondern um die Voraussetzung, den kaufen zu können. Jetzt musste ich natürlich noch wissen, was für Summen man üblicherweise in die Bustina steckt.  Eigentlich doch eine nahe liegende, berechtigte Frage. Dachte ich. Meine Freunde aber weigerten sich strikt, mir Auskunft zu geben. „Das musst du schon selber wissen“, wurde mir beschieden. „was dir die Freundschaft wert ist!“ Ehrlich gesagt, wusste ich das nicht: Andere Länder, andere Sitten! Und: Wer will schon gern als Knauser oder Großkotz dastehen?

Es blieb mir nichts übrig, als auf den direkt deutschen Weg zu verzichten und mich auf ´s sardische Heranpirschen zu verlegen. Durch vorsichtiges Umherfragen bei natürlich völlig belanglosen Bargesprächen bekam ich nach und nach heraus, dass ein normal situiertes Ehepaar durchaus 200 – 600 € schenken kann, Familienmitglieder und Verwandte hingegen eher das Doppelte.

Schlagartig wurde mir klar: Die sardische Hochzeitsfeier ist also nichts anderes als eine Starthilfe für den zu gründenden Hausstand! Findige Kopfrechner mögen überschlagen, was unter dem Strich bei einer 500-Personen-Feier für die Eheleute übrig bleibt. Da würde ich doch am liebsten auch gleich noch einmal vor den Traualtar treten!

Zurück zu den Formalitäten. Wer in Sardinien vor den Standesbeamten treten will, durchläuft an seinem Heimatwohnsitz die erforderliche Prozedur. Steht der Eheschließung nichts mehr im Wege, erbittet man ein entsprechendes EU-Dokument, mit dem wir dann problemlos die Feierlichkeiten in Budoni vorbereiten können.

„Problemlos“ ist die Regel. Dass jede Regel ihre Ausnahme hat, zeigt der Fall meines Freundes Rodger. Darüber berichte ich das nächste Mal.

Mit einem sardischen “Adiosu” verabschiedet sich für heute

Joachim Waßmann

 

Anmerkungen*:

* Wir: Das Centro Servizi Tartaruga in Budoni und sein Chef Pino ist die Anlaufstelle für heiratswillige Ausländer. Ich habe früher dabei geholfen.
* Unsere Häuser: Der Bräutigam hat das Areal mit den Häusern 162 und 156 für sich reserviert.
* Bustina: Das ist ein attraktiv gestalteter Briefumschlag zur Aufnahme von Bargeld.

 

 

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